Hoffnung nach jahrelanger Führungskrise: Hauptaugenmerk wieder auf Menschen mit Behinderung
In der gestrigen Mitgliederversammlung (23.04.2026) der Lebenshilfe Schweinfurt ist Konrad Schneider als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins abgewählt worden. Ebenso mussten Martina Schurig als Schriftführerin und Heike Breitenbach als Beisitzerin des Vorstands ihre Posten räumen. Zusätzlich forderte die Mehrheit der rund 200 anwesenden Mitglieder die Lebenshilfe Hammelburg in einem Votum dazu auf, das von ihr in den Vorstand der Lebenshilfe Schweinfurt entsandte Mitglied abzuberufen und zu ersetzen. Es handelt sich dabei um Stefan Seufert, den Vorsitzenden der Hammelburger Lebenshilfe.
Zum neuen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestimmte die Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Schweinfurt anschließend Werner Kraus. Denise Saal übernimmt das Amt der Schriftführerin. Der Landtagsabgeordnete Paul Knoblach fungiert als neuer Beisitzer.
Die umfangreichen Ab- und Neuwahlen sind das Ergebnis jahrelanger Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vorstands der Lebenshilfe Schweinfurt. Diese Zeit sei von Blockaden, endlosen Diskussionen, Stillstand, persönlichen Interessen und Machtstreben geprägt gewesen, erläuterte Norbert Hart, der Vorsitzende der Lebenshilfe Schweinfurt. „Es geht längst nicht mehr um das, worum es gehen sollte: Menschen mit Behinderung.“ Das, so Hart, könne nicht die Zukunft der Lebenshilfe Schweinfurt sein.
Ende 2025 hatte Hart deshalb einen aus zwei Rechtsanwälten und einem Notar bestehenden Untersuchungsausschuss eingesetzt. Dessen Auftrag: die Ereignisse der letzten Jahre innerhalb des Vorstands der Lebenshilfe Schweinfurt zu durchleuchten. Während der Mitgliederversammlung präsentierte der Ausschuss seine Ergebnisse. Dabei standen vor allem Stefan Seufert und Konrad Schneider im Mittelpunkt.
Die Liste der Punkte, die die Lebenshilfe Schweinfurt auf der einen sowie Seufert und Schneider auf der anderen Seite einander vorwerfen, ist lang. Die Sachverhalte sind zum Teil komplex. Es geht unter anderem um Berater- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die der Lebenshilfe Schweinfurt zum Teil wegen „hochaggressiver Strömungen“ die Zusammenarbeit gekündigt haben. Es stehen Vorwürfe im Raum, es habe Versuche gegeben, einzelne Vorstandsmitglieder und die Geschäftsführung der Lebenshilfe Schweinfurt massiv zu diskreditieren. Auch von Bestrebungen, den Ausbau des Schweinfurter Lebenshilfe-Kindergartens zu torpedieren, ist die Rede.
Ein weiterer Streitpunkt: 2024 hatte der Vorstand der Lebenshilfe Schweinfurt nach diversen Rücktritten monatelang nur noch aus Seufert, Schneider und Breitenbach bestanden. Er war damit über weite Strecken handlungsunfähig. Anstatt zügig eine Mitgliederversammlung zur Neubesetzung der vakanten Posten einzuberufen, klagten Seufert und Schneider erfolglos bis vor das Oberlandesgericht Bamberg, um die Einsetzung eines Notvorstands zu erwirken.
Schneider und Seufert standen während der Mitgliederversammlung zu allen Punkten ausführlich Rede und Antwort. So ist in der über fünfeinhalb Stunden dauernden Veranstaltung Harts Wunsch möglicherweise in Erfüllung gegangen. Mit dem Untersuchungsausschuss, so der Vorsitzende, habe er den Mitgliedern der Lebenshilfe Schweinfurt die Möglichkeit geben wollen, sich selbst ein Bild zu machen und anschließend über den zukünftigen Kurs des gemeinnützigen Vereins zu entscheiden.
Die Lebenshilfe Schweinfurt ist einer der größten Anbieter Unterfrankens im Bereich der Behindertenhilfe. Als Träger von Frühförderstellen, Kindergärten, Schulen, Tages- und Förderstätten, Werkstätten, Wohnheimen, von Ambulant Unterstützten Wohnformen, Offenen Hilfen und Integrationsbetrieben unterstützt sie Menschen mit Behinderung in jedem Lebensalter und ihre Angehörigen bei einem selbstbestimmten und selbstständigen Leben inmitten der Gesellschaft.